Hallo und herzlich willkommen

In UGO’s Wurzelrestaurant.

Genießen Sie die wundervolle Atmosphäre bei einem Glas Rotwein mit dem Hauch Methanol aus der BPA-Flasche. Spüren Sie die mollige Wärme unseres eigenen kleinen Plutoniumreaktors. Und lassen Sie sich von meinen Sklaven mit gutem gentechnisch verändertem Gemüse und Fleisch aus kontrollierter Massenmenschhaltung bedienen.

Witzigkeit

Es scheint, ich entwickle neue Kriterien, was für mich gute Musik ist. Die musikalische Seite – lieber Akustik als Elektro, insbesondere Techno geht gar nicht und HipHop nur mit weiteren Zusätzen (Esther Bejarano ist cool!) – ist relativ klar. Aber textlich?

Da gibt es die Lieder, die ich mag, weil ich ihnen zustimme oder aus den ganzen Gründen, warum Menschen Texte mögen. Aber eine Kategorie scheint mir neu: Lieder, die ich unglaublich witzig finde, weil sie so haarscharf an meiner Lebenswirklichkeit vorbeigehen. Begründer der Rubrik ist das folgende Stück:

 

Neu dazugekommen ist:

Und diesmal ist es im Wesentlichen ein Vers, der’s haarscharf trifft verfehlt (@zora: Kriegst du raus, welcher?)

Rap-Battle

Na die ersten Stücke (Ich hab Polizei) sind nicht so der Hammer für halbwegs emanzipatorisch denkende Menschen. Man fragt sich schon, ob da ernsthaft willkürliche Polizeigewalt als was positives gefeiert werden soll. Ich traue es dem System zu.

Eindeutige Satire, und deshalb auch ansehbar, ist das hier:

Wie Fefe richtig bemerkt: wahrscheinlich das beste Video, das ihr zu sehen kriegt bis zum neuen Jahr (und seit einiger Zeit)

Gemeint sind wir alle

Als ich heute das Herrnhuter Losungsbuch aufschlug, verschlug es mir die Sprache:

Josef lag im Gefängnis, aber der HERR war mit ihm. 1.Mose 39,20.21
Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene. Hebräer 13,3

Ich mein, der Hebräerbrief ist ein schwieriges Buch, mit vielen Stellen die auf den ersten Blick nicht so toll sind (die Verse kurz nach dem gewählten sind es auch auf den zweiten nicht…), das aber mehr Beachtung verdient, als ich ihm bisher geschenkt habe. Was der (unbekannte) Absender sagen will? Vielleicht würde er heute schreiben: „Denkt an die Gefangenen, denn gemeint sind wir alle“?

Die Schwierigkeit daran ist, dass diese Formulierung etwas ausschließlich ist. Dass ich mitgemeint bin, wenn im Hambacher Forst Leute sinnlos in U-Haft genommen werden ist klar.
Dass ich mitgemeint bin, wenn Leute wegen Schwarzfahren, Ladendiebstahl, Drogendelikten einsitzen, lässt sich über die politische Dimension dieser Taten auch irgendwie konstruieren. Aber Schläger? Nazis? Nazischläger? Mörder und Vergewaltiger? Schwierig…

Ich weiß auch nicht, ob der Briefeschreiber seinen Satz so inklusiv meint oder vielmehr nur die aus politischen Erwägungen gefangenen Glaubensgeschwister.
So übersetzt die Bibel in gerechter Sprache „[…] als Mitgefangene“

Mitgegangen, mitgefangen?
Das verweist eher auf die Geschwister im (christlichen) Glauben.
Wenn ich mir die Provokationsfreudigkeit der biblischen Autoren und Akteure, besonders der Prophenten und Jesus ansehe, traue ich ihnen (besonders Jesus) auch zu, gerade auch Nazischläger mitzumeinen.
Und das heißt eindeutig nicht, wir sollen an sie denken, als würden sie uns als (vermeintlich) schwächere Mitgefangene terrorisieren (Was im Knast an der Tagesordnung ist… Dort werden die Leute zu Nazis.) Sondern wir sollen nur die Last der Gefangenenheit teilen.

Ich weiß, das klingt krass. Aber hey, wir sind auch aufgefordert, unsere Feinde zu lieben. Und ganz ehrlich, das ist der einzige Weg, Nazis vielleicht wegzukriegen. Er wird oft genug augenscheinlich fehlschlagen und schwer. Aber andere Wege sind nur scheinbar erfolgreicher.

Und wer doch noch was für die „eigenen Leute“ tun möchte:

Hambacher Forst Repressionsseite

Einmaleins der Gefangenenbefreiung

Wie schreibe ich Gefangenen?

Gefangenliste und mehr…

Gefangene Kriegsdienstverweigerer

Gefängnisseelsorge

Я игpаю

Ohne Kommentar:

Zu gut

jetzt doch noch eine ordentliche Bearbeitung der Zu-gut-für-die-Tonne-Kampagne der Bundesregierung, die schon so lange danach schreit. (Die Originale möge mensch sich selbst raussuchen)

Der Apfel ist einmal fröhlich (wegen Containern) und einmal original traurig dabei. Brot und Kartoffel folgen vielleicht in den nächsten Tagen noch fröhlich.

Apfel freut sich

Käse

Kartoffel

Brot

Apfel ist traurig

Sommer unter schwarzen Flügeln

Fast unbeschränkte Leseempfehlung:
Peer Martin: Sommer unter schwarzen Flügeln, 2015.

Bedingt geeignet für Menschen unter 16 (Verlagsempfehlung, meine Schwester hat es mit 15 gelesen). Tendenziell ungeeignet für Menschen mit der Gefahr einer Retraumatisierung durch Beschreibungen von Krieg und Nazigewalt.

Alle anderen: unbedingt lesen! Aber nehmt euch Zeit: anderthalb Tage zum Lesen und nochmal fast genauso viel zum Verarbeiten.

Nuri, 18-jährige Syrerin erzählt irgendwo in McPomm einem gleichaltrigen Neonazi ihre Fluchtgeschichte. Calvin wurde von seiner Clique gerade mit der Planung eines Pogroms betraut, da verliebt er sich in Nuri und das Land, von dem sie erzählt.

Ein geniales Buch über Nationalismus, Nazis, Menschen und eine Liebe, die alles nur noch schlimmer macht. Ziemlich heftig, heftig traurig und leider heftig real.

Die Pharisäer von der CDU

Jetzt ist es auch für mich Zeit für einen theologischen/religionspolitischen Repost. Nachfolgend dokumentiere ich zwei Kommentare unter einen Beitrag im Hambi-Blog.

Erst schrieb Nöll:

Dieser Herr Kippels ist Mitglied der CDU und Rheinländer. Ich vermute darum, er ist auch katholisch. Darum werde ich ihn mal was fragen (danke für seine Kontaktdaten!): Wie verträgt sich wohl sein Enggement mit dem seines Oberhirten, der sich in seiner Enzyklika bei den Aktivisten im Hambacher Forst bedankt mit den folgenden Worten:

„Ich möchte allen, die in den verschiedensten Bereichen menschlichen Handelns daran arbeiten, den Schutz des Hauses, das wir miteinander teilen, zu gewährleisten, meine Anerkennung, meine Ermutigung und meinen Dank aussprechen. Besonderen Dank verdienen die, welche mit Nachdruck darum ringen, die dramatischen Folgen der Umweltzerstörung im Leben der Ärmsten der Welt zu lösen. Die jungen Menschen verlangen von uns eine Veränderung. Sie fragen sich, wie es möglich ist, den Aufbau einer besseren Zukunft anzustreben, ohne an die Umweltkrise und an die Leiden der Ausgeschlossenen zu denken.

Er schreibt ferner:

… einige Zentralthemen, welche die gesamte Enzyklika durchziehen. Zum Beispiel: die enge Beziehung zwischen den Armen und der Anfälligkeit des Planeten; die Überzeugung, dass in der Welt alles miteinander verbunden ist; die Kritik am neuen Machtmodell und den Formen der Macht, die aus der Technik abgeleitet sind; die Einladung, nach einem anderen Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt zu suchen; der Eigenwert eines jeden Geschöpfes; der menschliche Sinn der Ökologie; die Notwendigkeit aufrichtiger und ehrlicher Debatten; die schwere Verantwortung der internationalen und lokalen Politik …

Wie sehen die katholischen und auch die anderen Politiker, die die weitere Nutzung der Braunkohle und der fossilen und atomaren Energieträger überhaupt befürworten, das mit ihrer schweren Verantwortung? Eher wird ein Kamel durchs Nadelöhr gehen, als Herr Kippels ins Himmelreich. So ähnlich sprach Jesus über die Reichen. Gleichnis vom Nadelöhr. So sieht das auch der Papst, während die Braunkohlefans lügen, wenn sie behaupten, sie täten es zum Besten dieser Region.
Wer den ganzen Text lesen möchte:
Enzyklika LAUDATO SI’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus

Kurt Claaßen, Eigentümer der besetzen Wiese, ergänzte wie folgt:

Nöll spricht mir aus der Seele!

Jesus ist

… immer auf der Seite der Schwachen, Unterdrückten und Verfolgten:
– auf der Seite der Aktivisten im Hambacher Forst,
– auf der Seite der tagebaugeplagten Bürger von Berrendorf,
Elsdorf, Niederzier und anderer Tagebaurandgemeinden,
– auf der Seite der vom Kraftwerksausstoß betroffenen Bürger
aus Stommeln, Pulheim, Rheidt und andernorts,
– auf der Seite der Verfolgten und Vertriebenen aus den
Zwangsumsiedlungen in Manheim und Morschenich,
– auf der Seite der tagebau-, lärmgeschädigten Bürger von
Buir,

… gegen die Pharisäer, Heuchler, Selbstgerechten und Falschspieler:
– des Braunkohlenausschusseses,
– der Landesregierung NRW,
– der mitläuferischen Kommunen, der gleichgeschalteten
Lokalpresse und
– anderer Statthalter von RWE „im Himmel und
auf Erden“ wie unter anderem der Bundestagsabgeordneten der
CDU, Georg Kippels oder der Adelsvertreter und
Landtagsabgeordnete der SPD, Guido von den Berg.

Ausdrücklich erlaubt die Bibel den Tyrannenmord. Wie gering erschienen demgegenüber die vielfältigen – auch strafrechtlichen – Vorwürfe, die gegen die Aktivisten und Besetzer im und am Hambacher Forst erhoben werden, selbst wenn und soweit sie denn wahr und nicht konstruiert wären.

(Mir ist nicht ganz klar, welche Stellen Kurt mit dem Tyrannenmord meint, vermutlich u.a. das Buch Judith.)